Dienstag, 5. Mai 2026



Deindustrialisierung ist keine politische Panne
Deindustrialisierung ist keine politische Panne – sie ist Kapital-Logik. Was das für Ihre Entscheidungsarchitektur bedeutet.


Deindustrialisierung in der Wirtschaft – Restrukturierung im Unternehmen – und Sie zwischendrin


Spüren Sie die Krise? Denken Sie, die Krise kommt aus Berlin? Falsche Energiepolitik, überbordende Bürokratie, ideologische Verirrungen? Sicher. Das alles spielt eine Rolle. Es sind die sichtbaren Symptome. Die Erscheinungsform.

Aber wer heute seine Karriere-Exit-Strategie auf täglichen Polit-Schlagzeilen aufbaut, verfehlt das Wesen des Prozesses. Dieses Wesen enthüllte der am 5. Mai 1818 in Trier geborene Karl Marx. Für viele Generationen nicht nur hierzulande ist er eine der bedeutendsten deutschen Persönlichkeiten.

Das Wesen des derzeit vielfach festgestellten Prozesses einer Deindustrialisierung in den westlichen Industrieländern und Nordamerika ist der von Marx beschriebene Akkumulationsprozess des Kapitals – mit seiner immanenten Tendenz zur fallenden Profitrate und zur periodischen Überakkumulation. (Siehe auch: "Systembruch und Management")

Damit schwindet nicht nur die industrielle Basis für Wohlstand. Mit dem Rückgang der Industriearbeiterquote (in Deutschland ca. 10 Prozent seit 1992) sinkt auch der Widerstand gegen den Abbau von Arbeitsplätzen in Deutschland.

Wie schon in den vergangenen Jahren wollen viele Unternehmen ihre Produktion ein­schränken oder ganz ins Ausland verlegen.

Hart formuliert: Ihr Board-Level-Mandat oder Ihr Posten im Management ist nicht primär wegen politischer Fehlentscheidungen unsicher. Sondern weil das Kapital dorthin abwandert, wo es mehr Mehrwert schöpft. Punkt.


„Die Profitrate ist die treibende Macht in der kapitalistischen Produktion, und es wird nur produziert, was und soweit es mit Profit produziert werden kann.“ (Marx, MEW 25, S. 269)


Was bedeutet das strategisch für Executives und Manager?


Zwei Säulen sind für Ihre Governance jetzt relevant:

- Den echten Treiber identifizieren – jenseits des Empörungs-Feeds


Politische Entscheidungen bestimmen das Tempo und die Härte des industriellen Rückzugs. Aber sie erzeugen ihn nicht. Die treibende Kraft ist das „Gesetz vom tendenziellen Fall der Profitrate“: Je produktiver die Technik, desto weniger lebendige Arbeitskraft wird benötigt. Da nur diese Mehrwert schafft, sinkt die Profitrate. Die Folge: Kapitalflucht, Standortverlagerung, Deindustrialisierung.


Die Profitrate, „der Stachel der kapitalistischen Produktion … befördert Überproduktion, Spekulation, Krisen, überflüssiges Kapital neben überflüssiger Bevölkerung“ (Marx, MEW 25, S. 251f).


Wer das ignoriert und auf Subvention der produzierenden Unternehmen oder andere staatliche "Rettungsmaßnahmen" hofft, verliert die Orientierung in der eigenen Navigation.


- Aufbau einer persönlichen Exit-Architektur


Wenn der strukturelle Druck aus dem Akkumulationsprozess kommt, hilft das Warten auf die nächste Konjunkturwelle nicht. Diese Welle wird Ihre alte Position nicht zurückbringen. Allerdings entwickelt sich der Prozess in den verschiedenen Regionen und Branchen unterschiedlich, teils auch gegenläufig (ebd. S. 178f), woraus sich nicht nur Risiken, sondern auch Chancen ergeben.

Handeln Sie aus Einsicht, nicht aus Angst:

- Situation strategisch einordnen: Chancen und Risiken erkennen, Potenziale (Stärken und Schwächen) prüfen.


- Reputation als Asset: Dokumentieren Sie Governance-Erfolge und Leistungskennzahlen für Entscheidungsarchitektur und später folgende Verhandlungen.


- Finanzielle Sicherheit/Liquidität: Machen Sie einen Kassensturz. Prüfen Sie Vermögen und vor allem auch Verbindlichkeiten zur Gestaltung eines möglichen Exits.

Ein altes Sprichwort sagt:


„Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen.“


Wir bauen keine Mühlen, wir bauen nicht einmal Rettungsboote.


Ihr nächster Schritt


Ignorieren Sie die politische Bühne für Ihre private Entscheidungsarchitektur. Sie ist Rauschen.


Prüfen Sie stattdessen Ihre Entscheidungsarchitektur und führen Sie einen Stresstest durch:


Hält Ihre Liquidität stand, wenn Ihre Unit in zwölf Monaten geschlossen wird?


Das ist keine ideologische Frage. Es ist das, was Marx vor 150 Jahren festhielt: Kapital hat keine Moral, es hat eine Logik. Vertrauen Sie nicht auf das Recht. Steuern Sie Ihr Schiff selbst.

Der leider zu früh verstorbene international tätige Arbeitsrechtsanwalt Rolf Geffken über "Marx und Recht":

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