Mittwoch, 5. August 2020

ALLES über die Coronademo in Berlin! - Home Office #44 (feat. @Kilez Mor...

Mittwoch, 10. Juni 2020

Wer träumt hier weiter?

Es gibt immer noch Politiker, Ökonomen und zahlreiche Bürger, die glauben an ein "V-Szenario". Damit ist gemeint, dass die Konjunkturkurve nach dem politisch veranlassten Shutdown sprunghaft wieder ansteigt.

V-Szenario oder beispiellose Rezession

Es gibt jedoch auch Experten, die für Deutschland eine beispiellose und anhaltende Rezession prognostizieren. Für die Mehrzahl der Unternehmen heißt das,
  • Kostensenkungsprogrammen auflegen,
  • Arbeitsplätze abbauen und
  • Produktions- wie Dienstleistungsbereiche stilllegen.
Ein "Eckpunktepapier" ist dafür keine hinreichende Lösung. Denn globale Rückkoppelungen belasten die Wirtschaft hierzulande extrem stark, auch wenn die Regierung ein paar "Entlastungen" beschlossen hat, die mehr dazu geeignet sind, die Krise vor sich her zu schieben.


Die Lufthansa will ihre Belegschaft in den kommenden Jahren um bis zu 20.000 Mitarbeiter verringern und hofft der Insolvenz zu entgehen. Auf welt.de vom 26.06.2020 ist mit Verweis auf Ufo gar von 26.000 Stellen die Rede.

Ferdinand Dudenhöffer ging schon Ende März davon aus, dass der Automobilbranche ein Abbau von 100.000 Stellen droht.

Nach Schätzungen des Deutschen Industrie- und Handelskammertages werden 35 Prozent der Industriebetriebe in den kommenden Monaten Stellen abbauen. "Die Bewältigung der Corona-Epidemie wird uns eher Jahre als Monate beschäftigen", prognostiziert DIHK-Präsident Dr. Eric Schweitzer.

Kurzarbeitergeld und ähnliche Maßnahmen werden für viele keine Brücke über das Krisental, sondern in die Arbeitslosigkeit führen. Denn die Betriebe werden auf keinen Fall alle Kurzarbeiter wieder zurückholen können.

Wolfgang Reitzle, Aufsichtsratschef der Linde Group, widerspricht den optimistischen Träumen der Regierung:
"Ich kenne keine größere Firma, die diese Krise nicht nutzt, um ein sogenanntes Rightsizing vorzunehmen. Alle müssen jetzt versuchen, den Break-even zu senken, also Fixkosten abzubauen.“
  
"Auch die Unternehmen, die bisher sehr vorsichtig und sozial verträglich versucht haben, die Kostenstruktur zu verbessern, machen das krisenbedingt jetzt mit einem harten Schnitt. Deshalb wird es nun eine Konsolidierungsphase geben müssen – und keinen V-Aufschwung.“

Zitiert nach: Gabor Steingart, Morning Briefing, 10.06.2020

https://bit.ly/2ZrRf8h

Mittwoch, 20. Mai 2020

Stellenabbau - Liste wird immer länger

Stellenabbau gewinnt an Fahrt - immer mehr Unternehmen kündigen Stellenstreichungen an.

Stellenabbau - immer mehr Arbeitsplätze bedroht

Die Liste der bereits angekündigten Stellenstreichungen wird immer länger. Wenngleich noch relativ viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer hoffen, dass es sie nicht trifft - die Unsicherheit wächst.

Hier nur wenige Beispiele für angekündigten Stellenabbau:

Stellenabbau - Kündigung
  • TUI streicht 8000 Stellen
  • Fraport vor Stellenabbau und langsamem Neustart
  • Airbus-Chef bereitet Mitarbeiter auf Stellenabbau vor
    (Quelle: faz.de, 17.05.2020)
  • Rolls-Royce kündigt Streichung von mindestens 9000 Stellen an
  • Laufschuhkette Runners Point schließt alle Filialen 
  • 12.500 Arbeitsplätze in Gefahr – Viele Autozulieferer befürchten starke Jobverluste
  • Uber will offenbar 3000 weitere Stellen streichen
    (Quelle: wiwo.de, 20.05.2020)
Schon vor fast einem Monat prognostizierte das ifo-Institut:
"18 Prozent der Unternehmen in Deutschland gehen laut einer Umfrage des ifo-Instituts davon aus, dass sie wegen der Cororonavirus-Krise Mitarbeiter entlassen werden. Am stärksten betroffen ist der Handel." (Quelle: tagesschau.de, 23.04.2020)
Jedes Unternehmen sucht dabei "seine Methoden". Und dabei werden die Mitarbeiter nicht gerade mit Glacéhandschuhen angefasst. Beispiel Daimler:

Bereits am 01.05.2020 hatte ich in den sozialen Medien eine Pressemeldung geteilt, wie im Konzern die "Daimler-Manager für den Stellenabbau üben" (siehe auch: https://www.facebook.com/456971580994989/posts/4428550070503767).

Inzwischen hat die Konzernführung wohl versucht, die Kampagne etwas zu entschärfen:
"Update vom 16. Mai: Die Ereignisse beim Stellenabbau überschlagen sich: Erst ist von teils großzügigen Abfindungen die Rede, dann offenbart ein internes Dokument, dass Führungskräfte in Mitarbeitergesprächen Druck auf die Daimler-Mitarbeiter ausüben sollen. Dieser Verdacht verhärtet sich jetzt. Grund dafür sind Formulierungshilfen in einem Leitfaden, die Führungskräfte in einem Mitarbeitergesprächen verwenden können...

Wenn der betreffende Daimler-Mitarbeiter anschließend trotzdem nicht gehen will, sollen die Führungskräfte 'mögliche Auswirkungen auf die Beurteilung' prüfen. Das Ziel: Druck auf den Daimler-Mitarbeiter ausüben, sodass dieser womöglich doch noch freiwillig geht. Eine Kampfansage an den Gesamtbetriebsratschef Michael Brecht, der erklärt: 'Wir werden nicht zulassen, dass der Konzern Drohkulissen aufbaut. Stattdessen müsse Daimler auf die doppelte Freiwilligkeit setzen, wenn das Personal reduziert werden soll.'" (Quelle: echo24.de, 18.05.2020)
An der grundsätzlichen Entscheidung der Unternehmensführungen zum Stellenabbau können einzelne Mitarbeiter nichts ändern. Allerdings bedürfen solche Entscheidungen immer der Zustimmung des Betriebsrates. Unabhängig davon sollten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zumindest wissen, welche Möglichkeiten sie haben, um Arbeitslosigkeit zu verhindern.

Arbeitslosigkeit verhindern

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Donnerstag, 7. Mai 2020

Lufthansa - 10.000 Jobs von Entlassung bedroht

Bei der Lufthansa sind nach den Aussagen von Carsten Spohr infolge der Corona-Krise rund 10.000 Jobs bedroht.

Lufthansa-Chef will 10.000 Stellen abbauen

Entlassung bei Lufthansa
Die Einschränkungen des Luftverkehrs infolge der weltweiten Restriktionspolitik, die mit der Corona-Pandemie begründet wurde, hat die Lufthansa wie weltweit viele Fluggesellschaften in die tiefste Krise ihrer Geschichte geführt.

Von den rund 760 Flugzeugen sind derzeit rund 700 am Boden. Die aktuelle Passagierzahl liegt etwa bei einem Prozent der sonst üblichen Fluggastzahl.

Selbst am größten deutschen Flughafen in Frankfurter herrscht Stillstand. In der 17 Kalenderwoche vom 20. bis 26. April zählte Betreiber Fraport nur 45.270 Passagiere. In derselben Kalenderwoche ein Jahr zuvor waren es 1,4 Millionen.
Am größten deutschen Drehkreuz, dem Frankfurter Flughafen, herrscht Stillstand. In der Kalenderwoche 17 (20. bis 26. April) zählte Betreiber Fraport nur 45.270 Passagiere. In derselben Kalenderwoche ein Jahr zuvor waren es 1,4 Millionen.

Carsten Spohr, CEO, hat deshalb scharfe Einschnitte wegen der gravierenden wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise angekündigt.
"Bis zum Ende der Krise werde die Flotte von zuletzt rund 760 Flugzeugen um 100 Flugzeuge verkleinert ... Daraus ergebe sich rechnerisch eine um 10.000 Mitarbeiter kleinere Belegschaft, ergänzte Spohr. Mit einer Normalisierung der Lage für den Luftfahrtkonzern rechnet er nicht vor 2023. Anfang des Monats hatte die Lufthansa wegen der Corona-Pandemie, durch die Luftverkehr zusammengebrochen ist, eine Verkleinerung der Flotte um etwa 80 Maschinen angekündigt. Vor Ostern sprach Spohr in einer Videobotschaft an die Beschäftigten noch von 7000 Betroffenen."
Mit der Flugbegleitergewerkschaft UFO soll es noch keine Verhandlungen geben. Sie vertritt die Position, dass ein Abbau von 10.000 Stellen sozialverträglich möglich sei, also ohne Kündigungen.

Nach den Worten von Christine Behle, Vize-Chefin von Verdi und stellvertretende Lufthansa-Aufsichtsratsvorsitzende, sei die Lufthansa als nationale Airline systemrelevant. Deshalb fordert sie Staatshilfen und die soziale und tarifliche Absicherung.

Erst im Februar hat das Arbeitsgericht Frankfurt insgesamt acht Kündigungen des Unternehmens gegen den Ex-Vorsitzenden der Gewerkschaft UFO für ungültig erklärt. Leider kein Einzelfall, sondern wohl ganz "nomales Union Bashing".

Quellen: reuters, 24.04.2020, airliners.de, 19.02.2020  
 

Montag, 2. März 2020

Bayer will 12.000 Stellen abbauen - ohne Kündigung

Der Agrarchemie- und Pharmakonzern Bayer hat mit dem Gesamtbetriebsrat vereinbart, wie die vorgesehenen 12.000 Stellen weltweit abgebaut werden sollen.

Stellenabbau ohne Kündigung mit Abfindungsangebot

Für den Abbau von ca. 4.500 Stellen im Inland vereinbarte der Konzern mit dem Gesamtbetriebsrat, dass für Beschäftigte im Alter von mindestens 57 Jahren und mit 35 Rentenbeitragsjahren sogenannte Flexi-Aufhebungsverträge gelten sollen. Danach sollen die Aufhebungsverträge über sechs Jahren laufen und zwei Jahre vor der individuellen Grenze für den Renteneintritt enden.

Diese Regelung soll ermöglichen, dass Mitarbeiter maximal 7,2 Prozent Abschlag (24 Monate x 0,3 Prozent) auf die gesetzliche Rente einbüßen. Für jüngere Mitarbeiter sollen demnach Abfindungen von bis zu 63 Monatsgehältern ausgehandelt worden sein.

Zum Vergleich: Bei der sogenannten Regelabfindung nach § 1a Kündigungschutzgesetz wird von 0,5 Monatsgehältern je Beschäftigungsjahr ausgegangen.

Was bleibt von der Abfindung nach Steuern?

Quelle: sueddeutsche.de, 04.02.2020 

Freitag, 2. August 2019

100.000 Euro Abfindung für 3,60 Euro

100.000 Euro Abfindung für 3,60 Euro - ist das ein guter Deal? Würden Sie diesen annehmen? Oder gibt es da etwas, das für Sie wichtiger ist als Geld?

100.000 Euro Abfindung für 3,60 Euro Briefporto


Quelle: @ arahan, fotolia.com
Wie die taz berichtet, sollte Beate S. wegen „Erschleichens“ von 3,60 Euro Briefporto in Hannover entlassen werden. Der 57-jährigen Betriebsrätin wurde vorgeworfen, die MDG Dienstleistungsgesellschaft, ein Unternehmen der MADSACK Mediengruppe, geschädigt zu haben, weil sie drei Werbebriefe zur Betriebsratswahl im Dezember 2017 verschickt hatte. Dabei war sie davon ausgegangen, dass diese mit einem betriebsinternen Kurierdienst versendet, und nicht von einem externen Dienstleister gegen Porto zugestellt werden. 

Für die Unternehmensführung war das ein ausreichender Grund, der Frau fristlos zu kündigen. Doch Beate S. klagte gegen die Kündigung. Das Gericht erkannte keinen ausreichenden Kündigungsgrund. Daraufhin wurden ihr von der Unternehmensführung 100.000 Euro Abfindung angeboten. Spätestens an der Stelle dürfte auch den Unbedarftesten klar werden: Tatsächlich war die Mitarbeiterin der Geschäftsführung wohl zu unbequem. So sahen es wohl auch das Landes- und das Bundesarbeitsgericht:
"Nach DJU-Angaben schlugen die Richter einen Vergleich und eine Abfindung von 100.000 Euro vor, was Beate S. aber ablehnte. Eine Revision ließ das Landesarbeitsgericht mit seinem Urteil im Dezember 2018 nicht zu, eine sogenannte Nichtzulassungsbeschwerde der MDG wies das Bundesarbeitsgericht mit Sitz in Erfurt ab."

Zuckerbrot statt Peitsche


Weil Beate S. die Peitsche ablehnte, versuchte es die Geschäftsführung im Mai 2019 mit Zuckerbrot. „Freistellung“ bis zum Jahresende gegen Anrechnung von Urlaubszeiten plus 100.000 Euro Bruttoabfindung. Doch Anwalt und Arbeitsagentur rieten Beate S., das Angebot nicht anzunehmen:

"'Meine Mandantin hätte eine Arbeitslosengeldsperre bekommen, Steuern und Krankengeld nachzahlen müssen und wäre das Risiko eingegangen, sich mit 57 Jahren einen neuen Arbeitsplatz suchen zu müssen'“, sagte ihr Anwalt. 

Am 5. Juli kehrte Beate S. in den Betrieb zurück. Sie wurde von einem neuen Geschäftsführer empfangen, erhielt ihren früheren Büroraum und ihr Aufgabengebiet zurück.

"Im Westen nichts Neues"   

Wer den Bericht über Beate S. kennt, könnte abgewandelt mit Remarque festestellen: "Im Westen nichts Neues". Denn eine solche Behandlung von (nicht nur "unbequemen") Angestellten ist leider kein Einzelfall. Vielleicht erinnern Sie sich beispielsweise noch an den Fall "Emmely". Auch ihr wurde 2007 gekündigt, weil sie angeblich zwei Pfandbons im Wert von 1,30 Euro zu ihren Gunsten eingelöst habe. 

Weollen Sie noch mehr Beispiel, wie Geschäftsführungen mit unliebsamen Angestellten umgehen


Fazit: 

Wer sich nicht wehrt, nimmt vielleicht lieber den Spatz in der Hand. Und in einer Gesellschaft, in der fast alles als käuflich erscheint, wird Geld schnell als Ersatz für Recht angeboten und angenommen. Für manche gibt es jedoch Wichtigeres als Geld... Für die Unternehmensführung ganz sicher auch - oder glauben Sie, dass die Verantwortlichen für die Kosten und weitere Schäden aufkommen müssen, die sie mit einem solchen Fall verursacht haben?


Quelle: taz.de, 31.07.2019

Donnerstag, 11. Juli 2019

Tengelmann - Entlassung und Sozialplan

Das Familienunternehmen Tengelmann aus Mühlheim an der Ruhr löst nach mehr als 150 Jahren seine bisherige Holding auf. Was wird aus den Beschäftigten?

Sozialplan bei Tengelmann 


Ende 2019 schließt das Unternehmen in seiner bisherigen Form und verlässt das traditionsreiche Firmengelände in Mülheim. Wenn die Holding des Unternehmens zum 31.12.2019 ihren Betrieb einstellt, sind davon direkt noch ca. 200 Beschäftigte in der Zentrale betroffen.

Nach Pressemeldungen soll jeder Mitarbeiter ein Monatsbrutto-Entgelt pro Jahr der Betriebszugehörigkeit als Abfindung erhalten. Wer bereits 55. Lebensjahr vollendet hat, kann mit 1,2 Monatsentgelten für jedes Jahr der Arbeit bei Tengelmann rechnen. Für 58-jährige und ältere besteht  alternativ die Möglichkeit, die Abfindung in Monatsgehälter bis zur Rente umwandeln zu lassen.
"Eltern unterhaltsberechtigter Kinder erhalten einen Aufschlag zur Abfindung von 3500 Euro je Kind, Alleinerziehende zusätzlich 3500 Euro. Schwerbehinderte erhalten ebenfalls 3500 Euro mehr."
Insgesamt erscheint der Sozialplan, auf den sich Geschäftsführung und Betriebsrat geeinigt haben, den Pressemeldungen nach zu urteilen überdurchschnittlich gut für die Beschäftigten. Was jeder Betroffene daraus machen kann, ist eine andere Frage. Auch wenn die Abfindungen gut klingen, wird ein erheblicher Teil von Steuern aufgefressen - sofern nicht Chancen zur Steuergestaltung genutzt werden.

Mit nur ca. 40 Beschäftigten soll das Unternehmen unter dem Namen Tengelmann Twenty One weitergeführt werden. Außer Rechts- und Steuerfragen soll zum Geschäftsfeld des neuen Unternehmens auch Geschäftsentwicklung, Investment-Management und Talententwicklung gehören. Zum Firmenverbund gehören auch der Textildiscounter KiK, die OBI Bau- und Heimwerkermärkte,  babymarkt.de und weitere Gesellschaften.

 

Quelle: waz.de, 10.07.2019