Sonntag, 4. Januar 2026



Arbeitslosigkeit nahm 2025 zu - Jobwechsel erschwert
Daten zur Arbeitslosigkeit erfordern von Fach- und Führungskräften nach einer Kündigung oder einem Aufhebungsvertrag Entscheidungsklarheit.


Arbeitslosigkeit – Strategische Einordnung für Fach- und Führungskräfte


Die aktuelle wirtschaftliche Lage in Deutschland erfordert von Fach- und Führungskräften – insbesondere nach einer Kündigung oder einem Aufhebungsvertrag – eine besonnene Analyse der Rahmenbedingungen, bevor operative Schritte eingeleitet werden.


1. Statistische Einordnung der Arbeitsmarktentwicklung


Im Jahr 2025 ist die Arbeitslosigkeit in Deutschland leicht gestiegen. Die durchschnittliche Quote lag bei rund 6,3 Prozent und damit über dem Vorjahreswert von etwa 6 Prozent im Jahr 2024.

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Besonders signifikant ist die langfristige Betrachtung: Seit dem Vor-Pandemie-Jahr 2019 ist die Zahl der Beschäftigten um fast 250.000 gesunken, was einem Rückgang von 4,3 Prozent entspricht. Diese Zahlen verdeutlichen, dass wir uns nicht in einer kurzfristigen Delle, sondern in einem strukturellen Anpassungsprozess befinden.


2. Branchenspezifische Analyse des Stellenabbaus


Der Stellenabbau im Jahr 2025 konzentrierte sich primär auf die Industrie, den Bau und konjunktursensible Dienstleistungen.

- Produzierendes Gewerbe: Rückgang um ca. 143.000 Arbeitsplätze (-1,8 % gegenüber 2024), wobei Metall, Elektrotechnik und Chemie aufgrund hoher Energiekosten besonders betroffen waren.


- Automobilindustrie: Hier entfiel etwa jeder zweite verlorene Industriejob (ca. 45.000 bis 50.000 Stellen).


- Baugewerbe: Ein Rückgang um 0,9 % infolge der Baukrise und gestiegener Zinsen.


- Dienstleistungssektor: Verluste zeigten sich vor allem in der Zeitarbeit, im Handel sowie im Bereich Information und Kommunikation.


- Landwirtschaft: Fortsetzung des strukturellen Wandels mit einem Minus von 0,5 %.

3. Ursachenanalyse: Binnennachfrage als Kernproblem


Die exportorientierten Industriezweige und Unternehmen klagen häufig über ihre sinkenden Absatzzahlen, weshalb sie Stellen abbauen müssten. Diese Sichtweise auf die entscheidenden Quellen der Arbeitslosigkeit teilen nicht alle Experten. Jan Brorhilker, Managing Partner des Geschäftsbereichs Assurance von EY in Deutschland, vertritt die Auffassung:

Vor allem die schwache Nachfrage aus dem Inland sorge für den aktuellen Umsatzrückgang in der Industrie: Zwar sanken die Exporte der Industrieunternehmen um 0,6 Prozent, doch der Umsatz mit Kunden aus Deutschland schrumpfte binnen eines Jahres um 3,8 Prozent.


„Die Binnennachfrage ist viel zu schwach und eines der Hauptprobleme für die Industrie ... Wir haben seit Jahren eine Investitionszurückhaltung, die offenbar auch auf mangelndes Vertrauen in eine Konjunkturwende in Deutschland und eine nachhaltige Stärkung des Standorts Deutschland zurückzuführen ist."


Entscheidungsklarheit statt Aktionismus bei drohender Arbeitslosigkeit


Nach einer Kündigung oder einem Aufhebungsvertrag wird die Suche nach einer neuen Position oft als die dringendste Entscheidung wahrgenommen, um Arbeitslosigkeit zu verhindern und die finanzielle Sicherheit zu erhalten. Angesichts der oben genannten Arbeitsmarktdaten stellt sich jedoch die Frage, ob dieser Schritt unmittelbar anstehen sollte:


"Arbeitslose haben nach Einschätzung der Chefin der Bundesagentur für Arbeit, Andrea Nahles, aktuell so geringe Chancen wie nie, eine Stelle zu finden ... 'Wir haben einen Indikator, der anzeigt, wie hoch die Wahrscheinlichkeit für arbeitslose Menschen ist, wieder einen Job zu finden', erklärte Nahles. 'Der Wert liegt meist um sieben, jetzt aber bei 5,7 – so niedrig wie nie zuvor.'" (spiegel.de, 26. 12. 2025)


Prüfung der Entscheidungsreife:

Die größte Gefahr in der aktuellen Marktphase besteht darin, aus einer gefühlten Dringlichkeit heraus zu früh oder falsch priorisiert zu entscheiden. Bevor operative Maßnahmen (Bewerbungen, Verhandlungen) ergriffen werden, fehlt oft die vorgelagerte Klarheit darüber, wie die eigene Expertise in einem schrumpfenden Industriemarkt neu positioniert werden kann. Ebenso wenig hilft es, kurzschlüssig nur den Bezug von Arbeitslosengeld oder die Fixierung auf einen vorzeitigen Ruhestand im Blick zu haben.

Ordnende Perspektive:

Die vorliegenden Daten zum Beschäftigungsrückgang sollten nicht als Signal für hektische Aktivität verstanden werden. Vielmehr dienen sie dazu, die Reihenfolge der Schritte sichtbar zu machen: Erst die Einordnung der Situation und das Erkennen von Denkfehlern (wie etwa dem Impuls, in eine kriselnde Branche zu den alten Konditionen zurückzukehren), dann die gezielte Entscheidung.

Erfolg bedeutet in diesem Kontext nicht mehr Aktivität, sondern eine höhere Passung der nächsten beruflichen Station an die veränderten Marktgegebenheiten.

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