Freitag, 13. Februar 2015

Was bleibt von der Bruttoabfindung als Nettoabfindung nach Steuern?

Was bleibt von der Bruttoabfindung als Nettoabfindung nach Steuern? - Darüber sind in diesen Tagen viele ehemalige Opel-Mitarbeiter des Bochumer Autowerkes enttäuscht, ja teilweise auch empört.

Was bleibt von der Bruttoabfindung als Nettoabfindung nach Steuern?


Statt der 117.000 Euro, die Frank Stieber nach Berichten in der WAZ als Nettoabfindung erhalten sollte, werden nur 85.000 Euro ausbezahlt. Wie ist das möglich, dass so viel Steuern abgezogen werden - war doch eine Bruttoabfindung von 150.100 Euro im Abfindungsangebot von Opel vereinbart?
"Erklärt wird die Differenz der Nettosumme damit, dass im entsprechenden Berechnungsprogramm von SAP auch für 2015 ein Einkommen eingetragen werden muss, verwendet wurde dafür das aus 2014. Auf diese Weise könnten sich steuerliche Abzüge von 15 000 Euro und mehr ergeben."
Man stelle sich mal vor, ein Unternehmen, dass zum Jahresende geschlossen wird, gibt für das Jahr nach der Schließung zur Steuerberechnung einfach nochmals den Jahresgewinn aus den guten Jahren an?

Wer so leichtfertig Eintragungen in ein Lohnberechnungsprogramm vornimmt (und dann vielleicht noch die Programmierer dafür verantwortlich machen will), ohne sich über die Folgen für die Steuern insbesondere auf eine Abfindung klar zu sein, hat im Personal- und Finanzbereich eines Unternehmens grundsätzlich nichts zu suchen, meine ich. Denn jeder halbwegs geschulte Lohnbuchalter weiß und sollte auch bei Opel wissen: Jeder Euro Lohn und Gehalt treibt nicht nur die Steuern auf das Arbeitseinkommen hoch, sondern die Steuern auf die Bruttoabfindung gleich mit.

Zumindest hätte ein Blick auf abfindunginfo.de geholfen, anhand der Beispiele zur "Zusammenballung von Einkünften" auch die Folgen für den Steuerabzug bei einer Abfindung zu erkennen.

Und anstelle eines tatsächlich gezahlten Arbeitseinkommens ein fiktives Jahreseinkommen in Verbindung mit einer Abfindung anzusetzen, dass nie geflossen ist ... - was soll man zu so viel Imkompetenz noch sagen?

Wenn dann gar weiter zu lesen ist:
"Immerhin sagen Unternehmen, Beraterin und auch IG-Metall-Mann Strehl: "Man verliert nichts. Mit dem Lohnsteuerjahresausgleich für 2015 kann man sich das Geld zurückholen.'"
Dann muss man sich nicht wundern, dass das Opel-Werk nicht mehr zu retten war. Soviel Inkompetenz bei Steuern ist schon "strafbar" und moralisch unter der Gürtellinie, gerade so, als würde man auf jemanden, der gefallenen ist, noch extra nachtreten!

Doch nicht nur für Unternehmen, auch für jede Familie gilt Liquidität als entscheidende Grundlage für die wirtschaftliche Existenz.

Quelle: derwesten.de, 11.02.2015


PS: Für alle Betroffenen: Mit dem Abfindungsrechner von abfindunginfo.de können Sie nachkalkulieren, wieviel Geld Ihnen von Ihrer Bruttoabfindung als Nettoabfindung nach Steuern letztendlich bleibt. Falls Sie solch einer eigenartigen Berechnung wie bei Opel vorbeugen wollen, hilft es vielleicht, wenn Sie Ihre Buchhaltung bitten, sich im Selbststudium mal mit http://www.lohn-info.de/lohnsteuerabzug3.html vertraut zu machen

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